Alleinsein

Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“, sagt die Bibel gleich am Anfang, bevor es richtig losgeht mit Gott und der Welt (1. Mose 2,18). Alleinsein. Die es sind, wollen es nicht. Die es nicht sind, sehnen sich danach. Es ist wie immer: Der ausgewogene Mix zwischen Alleinsein und Zusammensein macht es. Wer (immer) allein ist, will das möglichst schnell anders haben. Wer (immer) mit anderen zusammen sein muss, bekommt den Gruppenkoller. Alleinsein ist eine der markantesten Erfahrungen, die ein Mensch machen kann. Ich bin einmal beim Joggen vor dem Frühstück während einer Tagung in der brandenburgischen Endmoräne vom Alleinsein nicht nur überrascht, sondern nahezu tätlich angegriffen worden: Ich hatte mich verlaufen. In einem Wald, der höchstens ein paar wenige Hektar groß war. In dem kleinen Waldstück, durchzogen von Hügeln, die einer dem anderen glichen, hatte ich schnell die Orientierung verloren und fand mich nicht wieder heraus. Alleingeblieben, und der Wald war schuld daran. Weil sich das so unauslöschbar einprägt, das mit dem Alleinsein, kann man etwas daraus machen. Die Tourismuswirtschaft wirbt mit „Die Nur-der-See-und-ich-Zweisamkeit“ und nutzt die (männliche) Sehnsucht, einmal im Leben den einsamen Wolf zu machen. Die geistlichen Gemeinschaften in den Klöstern haben das Alleinsein zu einer Kulturleistung entwickelt. Und so geht es weiter: Hobbykeller, Lesesessel, Wald-Spiritualität, Zeitungs-Lektüre, Facebook-Nachrichten, Straßenmusik. Das Alleinsein wird zelebriert, weil es eine unerschöpfliche Energiequelle ist. Und im gleichen Moment wird es erlitten und macht krank oder jedenfalls verwirrt. Manchen Leuten sieht man und hört man an, dass sie zu viel alleine gelassen werden.

Das „Kirchenblättchen“ ist eine Einladung, es mit dem Alleinsein aufzunehmen. Was wir in der Kirche machen, machen wir gemeinsam. Und zugleich bieten wir Orte und Stunden der Stille und des Alleinseins. Das ist unsere Chance. Wir werden spüren, wie selbstverständlich beides gelingt. Alleinsein tut gut und Alleinsein tut nicht gut. Als Gemeinde haben wir beides im Blick. Und die Bibel? „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.“ Das wird als eine Selbstaufforderung des Schöpfers beschrieben: Gott merkt für sich, dass das Alleinsein seines Menschen nicht gut sei. Alleinsein muss ein Ende haben. Dann lässt es sich auch gestalten.

Lassen Sie sich einladen zum Dabeisein und zur Stille!

Ihr Pfarrer Christoph Carstens

Die nächsten Termine

Die Losung heute

Montag, 25. Juli 2016

Der Himmel ist durch das Wort des HERRN gemacht und all sein Heer durch den Hauch seines Mundes.

Psalm 33,6

Gott lässt sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt.

Apostelgeschichte 17,25

© Evangelische Brüder-Unität – Herrnhuter Brüdergemeine

Wochenspruch

9. Sonntag nach Trinitatis

Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man um so mehr fordern.

Lukas 12, 48

Jahreslosung 2016

Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.

Jes 66,13