01.04.2026
Blass ist sie geworden. Unbemerkt schleicht sie durch unsere Straßen, gebeugten Hauptes. Man trifft sie nicht oft an. In sich zusammengesunken, klein, wie eine alte Dame wirkt sie. Ihre Haut ist dünn und grau. Ihre Augen schauen oft ins Leere. Trifft man sie doch, scheint sie mit den Gedanken woanders zu sein – die Hoffnung.
Blass ist sie geworden. Unbemerkt schleicht sie durch unsere Straßen, gebeugten Hauptes. Man trifft sie nicht oft an. In sich zusammengesunken, klein, wie eine alte Dame wirkt sie. Ihre Haut ist dünn und grau. Ihre Augen schauen oft ins Leere. Trifft man sie doch, scheint sie mit den Gedanken woanders zu sein – die Hoffnung.
Liebe Gemeinde, zugegeben, ich treffe die Hoffnung in diesen Tagen nicht häufig an, wenn ich in unserer Stadt unterwegs bin. Die Angst und die große Sorge, was da auf uns zukommt, wenn wir auf den September und die bevorstehende Landtagswahl schauen, scheint viele ratlos und sprachlos zu machen. Auch ich habe Angst davor. Aber die Angst darf uns nicht lähmen.
Für den Monat Mai ist uns ein Bibelvers aus dem Hebräerbrief zur Seite gestellt:
„Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unserer Seele.“ (Hebr. 6,19)
Lassen wir nicht zu, dass die Hoffnung schwindet. Lassen wir sie nicht geduckt durch unsere Straßen ziehen, sondern lassen wir sie erblühen. Pflegen wir sie.
Wie mag das gehen, mögen Sie sich fragen. Ich denke, das ist nur gemeinsam möglich. Wenn wir Zeichen der Demokratiefreundlichkeit senden. Wenn wir die Stimme erheben, wo Hass, Diskriminierung und Intoleranz sich zeigen. Wenn wir Fakten richtigstellen. Wenn wir die Vielfalt unserer Stadt sichtbar machen und die Stärke, die darin liegt. Lassen Sie uns in den letzten Monaten vor der Wahl gemeinsam Zeichen der Liebe und der Mitmenschlichkeit senden. Allein ist das oft müßig, aber gemeinsam können wir etwas bewirken. Gemeinsam können wir uns dafür stark machen, dass die Hoffnung wieder wächst. Ich glaube, es gibt viele unter uns, die ganz wunderbare Ideen haben und die nur darauf warten, dass sie in die Tat umgesetzt werden. Dafür braucht es Verbündete. Tauschen wir uns also aus. Ermutigen wir uns gegenseitig.
Wenn sie diese Zeilen lesen, dann steht Ostern vor der Tür – das Fest, das uns zeigt: Alles ist möglich.
„Diese Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unserer Seele.”
Ich wünsche uns für die kommenden Monate mutige Schritte, weite Herzen, kunterbunte Ideen, offene Ohren, helfende Hände, weise Worte.
Vielleicht, so mögen Sie denken, können wir damit nicht die Welt verändern. Das stimmt. Aber ich denke, es macht einen Unterschied, es wenigstens zu versuchen. Dann schleicht die Hoffnung vielleicht nicht mehr durch unsere Stadt wie ein ungebetener Gast, sondern lässt hier und da etwas von ihrer eigentlichen Strahlkraft aufblitzen und vielleicht steckt sie ja sogar den einen oder die andere an, die sich dadurch ermutigt fühlt, es uns gleichzutun.
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes, Hoffnung spendendes Osterfest. Möge die Hoffnung Sie über die nächsten Monate hinweg tragen und mögen Sie sie weitergeben.
Ihre Pfarrerin Anne-Sophie Berthold