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Turmfalken-Wunder

01.10.2026

Haben Sie schon einmal ein Wunder gesehen? Wenn ein Kind geboren wird oder ein Mensch gerettet wird, sehen wir Wunder. Da geht es ums ganze Leben. „Denn du hast mein Inneres geschaffen im Schoß meiner Mutter. Ich danke dir, dass ich so wunderbar gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke.“
(Psalm 139,13-14)
An der Nikolaikirche konnten wir es bis vor Kurzem sehen. Dort hatten Kinder einen Nistkasten gebaut. Es kam ein Turmfalkenpärchen. Genau zu Himmelfahrt lag ein Ei im Kasten. Wir konnten sehen, wie die geschlüpften Nestlinge die Welt erkunden. Das war ein Wunder, weil sich Kinder wunderten. Um sie zu beobachten, mussten wir uns auf die Socken machen. Das heißt, die Kinder durften sich nur ohne Schuhe anschleichen, denn die Turmfalkenfamilie würde vielleicht ihre Wohnung aufgeben, wenn sie die Menschen bemerken, die nach ihnen schauen und sich eigentlich ja nur freuen, wenn es ihnen gut geht.

So ist das mit unserem lebendigen Gott, der bei uns ist, ohne dass wir ihn bemerken. Er ist da. Es braucht solche Wunder, die uns begeistern und den Glauben entfachen, um uns bewusst zu werden, dass wir in Gottes Gegenwart leben.

So ein Wunder ist nicht nur ein glücklicher Zufall, sondern ein Wirken Gottes. Die Bibel ist voll von Wundern. Glauben können wir fest daran, wenn wir von Wundern nicht nur lesen, sondern sie erleben. Wir wollen dieses Wunder von den Turmfalken also nicht nur in diesen kirchlichen Nachrichten aufschreiben, sondern es zukünftig auch für sie beobachtbar machen. Schließlich wollen die Kinder auch nicht verpassen, wie so ein Nestling aus dem Ei schlüpft. Denn das Wunder geht weiter. Die Jungfalken fliegen! Sie spielen an Kirchenfenstern, an Regenrinnen und trauen sich immer weiter in die Welt hinaus, bis hin zum nächsten Nistkasten, an einem anderen Kirchturm. "Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da. Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.“ (Psalm 139,8-10)
Henry Nouwen hatte einmal die Idee einer Geschichte von Zwillingen im Mutterleib, die sich darüber streiten, ob es ein „Leben nach der Geburt“ oder überhaupt eine Mutter gibt. Das sind doch berechtigte Fragen, wenn man die Welt nur so kennt, wie sie ist. Wir wissen es aber besser. Natürlich gibt es eine Mutter, sie umgab uns, wärmte uns in ihrem Mutterleib und streichelte sogar unsere Welt. Psalm 139,5-6 sagt es so: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.” Erst recht – so wissen wir es ja – gibt es ein Leben nach der Geburt. Da fängt das Wunder an, wenn wir das erste Mal die Augen öffnen.
Amen.
Ihr Diakon Kai Sommer