Die Aegidiikirche zu Quedlinburg

Die Aegidiikirche ist eine der ältesten Kirchen Quedlinburgs. Sie ist dem Heiligen Aegidius, einem der 14 Nothelfer geweiht. Zum Zeitpunkt ihrer ersten Erwähnung im Jahre 1179 befand sich die Kirche noch vor den Toren der Stadt. Die heutige Form einer spätgotischen Hallenkirche erhielt sie im 15. Jahrhundert, wobei im Inneren große barocke Rundbögen dominieren. Die Ausstattung wird geprägt durch eine frühbarocke Gestaltung aus der Zeit um 1670. Der Altaraufsatz aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts zeigt ausdrucksstarke, figürliche Darstellungen. Er stammt ursprünglich aus der St. Benedikti-Kirche (Marktkirche). Im Fenster des hohen Chores befinden sich Teile des ältesten erhaltenen Buntglasfensters in Quedlinburg (1460). In der Kirche sind zudem weitere interessante Einrichtungsgegenstände (z.B. der älteste Orgelprospekt der Stadt) und bauliche Besonderheiten zu entdecken, die Aufschluss über das Leben vergangener Generationen bieten.

Alle weiteren Infos zur Kirche und zu Veranstaltungen finden Sie unter www.aegidii-qlb.de

Möchten Sie die Erhaltung der Kirche oder die Arbeit des Förderkreises unterstützen?

Ihre Spende ist herzlich Willkommen und mit folgender Adresse einzahlbar:

Empfänger:
Kreiskirchenamt Harz-Börde
IBAN   DE96 8105 2000 0311 0533 00
BIC     NOLADE21HRZ
Zweck: Ägidii-Kirche Quedlinburg.

Von bisher gesammelten Spenden können in diesem Jahr die Glockenanlage und ein letztes offenes Maßwerkfenster saniert werden. Weiterhin ist die Neuinstallation einer Elektroanlage geplant. Herzlichen Dank für Ihre Mitwirkung!

Zu weiteren Fragen steht Ihnen der Förderkreis gern zur Verfügung.

Historische Grabmäler an der St. Aegidiikirche

Der uralte Gottesacker von St. Aegidii

Seit ihrer ersten urkundlichen Erwähnung 1179 gilt die St.-Aegidii-Kirche als älteste Stadtkirche von Quedlinburg. Zu einer Kirche gehörte in früher Zeit auch immer ein Friedhof, der den Kirchenbau umgab, so auch an der St.-Aegidii-Kirche. 

Es ist bis heute der größte innerstädtisch erhaltene Friedhof der Stadt Quedlinburg, der aber nicht mehr für Bestattungen genutzt wird. Sein Gebiet wird vom Schreckensturm, der Straße Aegidiikirchhof, der östlichen Heidfeldstraße und der Stadtmauer begrenzt. In den Archivalien der ehemaligen Aegidiigemeinde finden sich Aufzeichnungen, in denen vertragliche Vereinbarungen mit der Marktgemeinde St. Benediktii über das Bestatten von Mitgliedern dieser Gemeinde in früheren Jahrhunderten auf dem Aegidiifriedhof vereinbart ist. 

Seit die Stadt Quedlinburg auch eine Militärgarnison besaß, fanden Verstorbene dieser Garnison auch ihre letzte Ruhestätte auf dem Friedhof. Gemäß Absprache in den Kirchengemeinden wurden viele verarmte Menschen, aus der gesamten Stadt Quedlinburg hier begraben. Selbst Teilnehmer an den Befreiungskriegen gegen Kaiser Napoleon sind hier bestattet und wurden durch steinerne und gusseiserne Grabdenkmäler geehrt. 

Überhaupt hat sich hier eine außerordentliche Grabdenkmalkultur erhalten, die besichtigt werden kann. Am Friedhofszugang an der Straße Aegidiikirchhof fällt dem Besucher sofort eine etwa zwei Meter hohe Schmuck-Graburne aus Gusseisen auf. Als eindrucksvolles Mahnmal gestaltet, fällt sie gleich ins Auge des Betrachters. Es ist hier ein einzigartiger und schön gelungener Guss aus der Mägdesprunger Gießerei des 19. Jahrhunderts. Weiter sind etliche eindrucksvolle Gussgrabkreuze zum Gedenken auf alten historischen Familiengrabstätten zu besichtigen. 

Eine besondere Erinnerungskultur bilden die dekorativ und teils figürlich gestalteten Sandsteinpfeiler, unterschiedliche Sandsteinsäulen sowie Sandstein-Sargdeckel, ebenerdig über gemauerten Grüften des 19. Jahrhunderts. Einer dieser Sargdeckel scheint in der Erde des Friedhofs versunken zu sein, jedoch ist das der kontinuierlich erfolgten Aufschüttung des Friedhofs mit Erde geschuldet zu sein, um wieder neuen Platz für weitere Bestattungen zu schaffen. Erkennbar ist dies auch am Niveauunterschied von 1,20 m bis 1,80 m zwischen dem Fußboden im Kircheninnern und der heutigen Oberfläche des Friedhofs. Demnach müssen also einige Bestattungsebenen übereinander liegen, welche das Alter des Friedhofs bestätigen. 

Für die noch etlichen Familiengrabstätten gibt es keine bekannten Nachkommen mehr, sodass sich der Förderkreis St.-Aegidii-Kirche neben der Pflege und des Erhalts der Kirche, auch der Familiengrabstätten und des gesamten "Friedhofs" angenommen hat. Herausragendes Beispiel der Friedhofs- und Bestattungskultur ist augenscheinlich, dass an die Nordseite der Kirche angebaute „Ziegersche“ Grabmausoleum, ein spätbarockes Bauwerk, welches sein Vorbild im „Goetzeschen“ Mausoleum an der Marktkirche fand. Dieses an der Nordseite gelegene Grabmausoleum mit sehr schönem Steinbildhauer-Schmuck, bauzeitlichen dekorativen Gittern und einem gefalteten Zeltdach beherbergt in seinem Innern in einer tiefliegenden Gruft zwei Särge der Familie aus dem 18. Jahrhundert. 

Auf dem gesamten Kernfriedhof sind auch noch etliche untererdige Grüfte nachgewiesen. 

Der alte Aegidii-Kirchhof ist in den letzten Jahren zu einem schönen innerstädtischen Refugium mit alten Laubbäumen, Rasenflächen, den schön gepflegten und mit Blumen und Stauden bewachsenen Familiengräbern, den Nist- und Nahrungsangeboten für einheimische Vögel und Kleintiere, sowie für Besucher und Ruhesuchende geworden. Zahlreiche Bänke laden unter den Bäumen zum Verweilen ein, das Gezwitscher der Vögel erfreut das Ohr der Menschen und ihr Gemüt. 

Beim Verweilen kann der Betrachter sich auch an der reichen Architektur der St.-Aegidii-Kirche satt sehen und die Gedanken wandern lassen.Für die Welterbestadt Quedlinburg ist der Erhalt dieses alten Kirchhofs ein unverzichtbarer Bestandteil der Stadtkultur und des reichen überkommenen Erbes unserer Vorfahren, das es zu Pflegen und zu Erhalten gilt.


Der Förderkreis fühlt sich dieser Aufgabe verpflichtet und wird sich weiter mit Engagement dem hinterlassenen Erbe widmen.

Förderkreis St.-Aegidi-Kirche
Gerhard Schwenk

Öffnugnszeiten:
März - Oktober
samstags
von 15.00 bis 18.00 Uhr

Um 18.00 Uhr gemeinsames Einläuten des Sonntags

Nachfragen und Rück-meldung an:

Förderkreis
St. Aegidii-Kirche

c/o Ev. Kirchengemeinde Quedlinburg

Carl-Ritter-Straße 16
06484 Quedlinburg

Tel.: +49 (3946) 91 99 54 (Kirchmeister)

Tel.: +49 (170) 56 83 115 (Ansprechpartner Förderkreis)

fk-gdgmxd

Termine

 

Förderkreis der St. Aegidiikirche

Weiterhin Unterstützung für St. Aegidii gesucht

Seit 2009 engagieren wir uns im Förderkreis St.-Aegidii-Kirche für die Pflege und Belebung der fast 840-jährigen Kirche am nördlichen Rande der Altstadt. Wir realisieren Öffnungszeiten, sorgen uns um die Erhaltung der Kirche, mitgestalten und organisieren Kulturveranstaltungen und initiieren bzw. begleiten Sanierungsprojekte. Unterstützen Sie uns dabei! Seien Sie Willkommensgeber/in bei der offenen Kirche, Mitorganisator/in von Veranstaltungen, Mitgärtner/in oder Mitanpacker/in bei baulichen Unterhaltsmaßnahmen - je nachdem, was Ihr Talent ist, und was Ihre Zeit zulässt!Sprechen Sie uns an: 0170- 56 83 115 oder fk-aegidii@gmx.de oder samstags 15.00 – 18.00 Uhr in der Kirche! Info: www.aegidii-qlb.de

Der spätgotische Flügelaltar in der St.-Aegidii-Kirche


Auszüge aus der Dokumentation (9-2017) der Diplomrestauratorin für Kunst- und Kulturgut Heike Glaß. „Ein aktueller Zustandsbericht und die durchgeführten Maßnahmen. 

Der ehemals aus der Quedlinburger Marktkirche St. Benedikti stammende spätgotische Flügelaltar (1430/40 - Material Holz – polychrom gefasst) wurde überarbeitet. Besonderes die Farbfassung der Mittelschreines sowie der Predella wurde dick mit einem neuzeitlichen Lack überstrichen. Das gesamte Gold der Gewänder, der Rücklagen, der Rahmungen sowie der Architekturfassung wurde mit diesem Lack überzogen. Besonders die Gewänder der Figuren wurden dadurch sehr stumpf und dunkel. Ein großer Teil des Inkarnats der halbplastisch gearbeiteten Figuren erscheint durch die Überarbeitungen sehr dunkel, stark verbräunt und klebrig. Jegliche Feinheiten und Unterschiede in der ursprünglichen Gestaltung, beispielsweise fein gemalte Barthaare und verschieden kräftigen Rosatönen sind überdeckt und nicht mehr sichtbar. Ebenfalls haben durch diese Überarbeitungen die Innenfutter der Gewänder ihre Farbigkeit und Brillanz verloren. Insgesamt sind der ursprüngliche Glanz und die Pracht des Altars durch diese Überarbeitungen verloren gegangen. Der gesamte Flügelaltar ist stark verschmutzt. Die Holzsubstanz ist partiell durch Anobienfraß geschädigt, stellenweise sind Verluste an plastisch gearbeiteten Teilen sichtbar. Der Träger wurde großflächig mit Leinwand kaschiert. Bei früheren Überarbeitungen wurden Partien mit Fassungsverlusten und Ausbrüchen ohne vorheriges Aufkreiden der Fehlstellen übermalt. Papierbeklebungen einer früheren Sicherungsmaßnahme befinden sich noch heute auf der Fassung. Da das hinter dem Altar befindliche Chorfenster restauriert werden soll und zur Bearbeitung des Ausbau bevorsteht, waren ebenfalls Maßnahmen am Flügelaltar notwendig und eine Notsicherung der gefährdeten Fassung durchzuführen. Dadurch konnten weiter Verluste des Originals verhindert werden. Im Vorfeld der Grobreinigung wurde die von Verlust bedrohte stark gelockerte Fassung gefestigt. Es erfolgte nunmehr die Reinigung der Oberfläche durch vorsichtiges Abkehren der Schmutzauflage mit weichem Ziegenhaarpinsel und Staubsauger. Anschließend erfolgte eine weitere Festigung der lockten Farbfassung mit Hausenblasleim und der gelockerten Fassung der Partien mit stärkerer Grundierung ebenfalls mit Hausenblasleim. Parallel zur Fassungsfestigung erfolgte die Reinigung der Oberflächen mit nebelfeuchten Blitz- Fix Saugschwämmchen. Die Papierverklebungen konnten problemlos abgenommen werden. Nach Abschluss der Fassungssicherung, der Grobreinigung sowie dem Ablösen der Papierbeklebungen wurden die Flügel des Altars geschlossen und das Einhausen des Altares als Staubschutzmaßnahme erfolgt.“Das Chorfenster ist aufwendig in einer Spezialwerkstatt restauriert, eine Schutzverglasung wurde zusätzlich angebracht. Es erstrahlt heute im neuen Glanz. Ein Besuch der alt-ehrwürdigen Kirche lohnt sich jetzt besonders.